Fertig mit dem Studium, aber ohne Job: Berufsschul­lehr­kräfte ohne Anschluss­perspektive

Zum Februar 2026 schließen 53 angehende Berufsschullehrkräfte ihr Studium in Hamburg ab – knapp die Hälfte erhält trotz erfolgreichem Abschluss kein Übernahmeangebot. Gleichzeitig bleiben Stellen unbesetzt. Es wurde schlichtweg am Bedarf vorbei ausgebildet. Das habe ich mit einer parlamentarischen Anfrage herausgefunden. Das ist bitter für die Absolventen, eine Verschwendung von Ausbildungsinvestitionen und verschärft den Fachkräftemangel.

53 junge Berufsschullehrkräfte beenden zum Februar 2026 in Hamburg ihr Studium und sind damit bereit, ins Berufsleben zu starten. Viele hatten die berechtigte Erwartung, anschließend in den Schuldienst übernommen zu werden. Denn das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) wirbt öffentlich mit steigenden Bedarfen an Lehrkräften und zugleich intensiv für Seiten- und Quereinstieg.

Ich habe jedoch nun herausgefunden: für knapp die Hälfte der engagierten Nachwuchskräfte sieht die Realität ganz plötzlich anders aus: Sie erhalten kein Übernahmeangebot der zuständigen Behörde, trotz erfolgreichem Abschluss.

Besonders unverständlich ist, dass teilweise genau jene Stellen, die für regulär ausgebildete Lehrkräfte vorgesehen waren, inzwischen über Quereinstiege besetzt wurden – und damit für Absolventinnen und Absolventen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Mein Statement dazu: „Berufsschulen suchen händeringend nach Lehrkräften. Knapp die Hälfte der ausgebildeten Berufsschullehrkräfte wird nun nicht übernommen, weil sie am Bedarf vorbei ausgebildet wurden. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die jungen Menschen und für Hamburgs Wohlstand. Und es zeigt: Dem Senat fehlt es an Weitsicht. Die Wirtschaft setzt zu Recht auf die duale Ausbildung. Der Senat muss seinen Teil dazu beitragen, dass für unsere Wirtschaft passende Fachkräfte verlässlich ausgebildet werden.“

Auch an den Berufsschulen selbst dürfte sich zum Start ins neue Jahr Sorge breitmachen. Denn der Bedarf an Personal wird offenkundig nicht verlässlich gesteuert: Während Schulen, die sozialpädagogische Berufe ausbilden, teils mehr Lehrkräfte beschäftigen als benötigt und die eigenen Absolventinnen und Absolventen daher nicht übernehmen können, bleiben andere Standorte erneut unterversorgt.

Ein Beispiel ist die Berufsschule Wilhelmsburg: Dort fehlen ab Februar nicht mehr elf, sondern künftig zwölf Lehrkräfte für die Ausbildung dringend benötigten medizinischen Fachpersonals.

Die Begründung des Senats, warum nicht alle übernommen werden können: Es passe nicht bei allen Absolventen die Fächerkombination zu den Bedarfen, Berufsfächer seien stark gekoppelt, nicht ersetzbar. Wenn Passgenauigkeit auf bestimmte Fächer zwingend ist, dann ist es ein Planungsversagen, Lehrkräfte auszubilden, für die anschließend ‚keine Stelle passt‘ – oder nicht rechtzeitig umzusteuern.

Belastbare Bedarfsplanung – in Hamburg offenkundig Fehlanzeige. Die Behörde stellt Personal ein und lässt es ausbilden ohne zukunftsfeste Planung. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen: an Geldern und gut und teuer ausgebildetem Personal. Das ist keine Steuerung, das ist Blindflug.

Hier geht’s zu meiner Anfrage und den Antworten des Senats.

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