Im Mittelpunkt des Gesprächs stand ein klarer Leitgedanke: Es geht um das Kind und seine gesamte Bildungs-, Entwicklungs- und Lebensbiografie. Egal, ob in der Familie, in der Kita, in der Grundschule, in der Jugendhilfe, im Gesundheitswesen oder in der beruflichen Bildung – alle Beteiligten müssen Hand in Hand zusammenwirken, um Kinder und Jugendliche bestmöglich auf ihrem Weg zu begleiten. Genau hier liegt aus meiner Sicht die große Chance des neuen Zuschnitts: Zuständigkeiten, die bisher nebeneinander herliefen, lassen sich nun stärker miteinander verbinden. Unterstützung, Bildung, Förderung und Schutz greifen ineinander.
Ein zentrales Thema des Gesprächs waren die ungleichen Start- und Lernausgangslagen von Hamburger Kindern. Gerade benachteiligte Kinder brauchen frühzeitige, verbindliche und wirksame Förderung. Zur Sprache kamen unter anderem Lernzeitverlängerung, Möglichkeiten zur Wiederholung und Vertiefung in der Grundschule, eine stärkere Verbindlichkeit des Kitabesuchs ab vier Jahren sowie verpflichtende Förderung in Sprache, Motorik und sozial-emotionaler Entwicklung. Erfreulich war zudem die gemeinsame Einschätzung, dass sich Hamburgs Kitas zunehmend als echte Bildungseinrichtungen verstehen. Frühkindliche Bildung darf nicht als bloße Betreuung oder „Bespaßung“ missverstanden werden.
Die kritischen Punkte sind vor allem die Übergänge: von der Familie in die Kita, von der Kita in die Grundschule, von der Grundschule auf weiterführende Schulen und schließlich in die berufliche Bildung. Hinzu kommen Übergänge zwischen Schule, außerschulischen Unterstützungsangeboten und Jugendhilfe. Damit Brüche in Bildungs- und Entwicklungsbiografien gar nicht erst entstehen, müssen Auffälligkeiten möglichst früh erkannt und im selben Atemzug mit gezielter Förderung beantwortet werden. Hierin wurden im Gespräch zwischen Landesfachausschuss und Behörde deutliche Schnittmengen sichtbar.
Wie dringlich dieses Thema ist, machen aktuelle Zahlen zur Schuleingangsuntersuchung deutlich, die der Senat auf eine Schriftliche Kleine Anfrage von Antje Müller-Möller hin offengelegt hat: Bei einem Viertel der untersuchten Hamburger Kinder werden Entwicklungsauffälligkeiten festgestellt. Im Einschulungsjahr 2024/25 waren es 4.530 Kinder oder 25,1 Prozent. Das zeigt: Hier geht es nicht um Einzelfälle, sondern um eine strukturelle Aufgabe für das gesamte Bildungs-, Familien- und Unterstützungssystem.
Genau deshalb war Früherkennung einer der zentralen Punkte des Gesprächs. Eine wirksame Förderung beginnt mit guter Diagnostik – sie soll nicht etikettieren, sondern die Voraussetzung dafür schaffen, dass jedes Kind die Unterstützung bekommt, die es braucht. Strukturierte Diagnostik muss früh ansetzen, schon in der Kita und in der Grundschule, und konsequent in passgenaue Fördermaßnahmen münden, deren Wirksamkeit auch überprüft wird. Hier besteht aus meiner Sicht weiterhin Nachholbedarf: bei der Diagnostik-Kompetenz, der Akzeptanz von Diagnostik und der systematischen Evaluation der eingeleiteten Maßnahmen.
Weitere wichtige Themen waren die Rolle der Eltern und die zunehmende digitale Überforderung sehr junger Kinder. Elternbildung soll künftig stärker als präventiver Bestandteil von Bildungs- und Familienpolitik verstanden werden. Viele Familien brauchen niedrigschwellige Orientierung im Alltag, gerade auch beim Umgang mit digitalen Medien. Auch bundes- und europaweite Regelungen sind gefragt, etwa bei besserem Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum.
Für mich war das Treffen vor allem in einer Hinsicht ein Erfolg: In den entscheidenden Punkten wurden deutliche Schnittmengen sichtbar. Anliegen, für die sich die CDU seit Langem einsetzt – eine konsequente, gut vernetzte Begleitung von Kindern und Jugendlichen, verbindliche frühe Förderung, starke Familien und das Schließen von Brüchen in Bildungs- und Entwicklungsbiografien –, finden auch in der zuständigen Behörde Anklang. Der Dialog soll fortgesetzt werden, dann auch gemeinsam mit Katharina von Fintel, der Staatsrätin für Schule und Berufsbildung. So kann aus Übereinstimmung schrittweise verbindliches Handeln werden – im Interesse der Kinder, Jugendlichen und Familien in Hamburg.