Keine Streichung von Lehrerstunden am Gymnasium
An den Gymnasien sollen Klassen und Oberstufenkurse größer werden. Das spart Lehrerstunden – schränkt aber Wahlmöglichkeiten und kleinere Kurse ein. Angebote wie Physik, Latein oder „Jugend forscht“ könnten dann an vielen Schulen wegfallen.
Hamburg lebt jedoch von gut ausgebildeten Menschen. Eine Stadt der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Innovation braucht exzellent ausgebildete Abiturientinnen und Abiturienten, starke Naturwissenschaften und anspruchsvollen Unterricht. Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.
Die geplanten Kürzungen bei den Lehrerstunden müssen deshalb zurückgenommen werden. Stattdessen sollen Ressourcen, die heute aus dem Schulbereich finanziert werden, aber in zentralen Verwaltungs- und Steuerungsstrukturen gebunden sind, wieder den Schulen zugutekommen. Auch teure Bürokratieriesen wie die Schulinspektion gehören auf den Prüfstand. Andere Länder sind diesen Weg bereits gegangen.
Qualität des Ganztags schützen
Ganztag ist längst schulische Realität. Rund 90 Prozent der Hamburger Grundschulkinder verbringen ihren Tag bis zum Nachmittag in der Schule. Nun soll hier an Lehrkräften gespart werden. Gerade gebundene Ganztagsschulen ermöglichen, dass Lernen, Vertiefung, Bewegung und Erholung sich über den Tag abwechseln. Das ist besonders an Schulen in sozial herausfordernden Stadtteilen wichtig. Wer dort Lehrkräfte herausnimmt, schwächt diesen gut strukturierten Lerntag.
Auch hier macht es sich die Schulbehörde zu leicht. Lehrerstunden zu streichen ist einfacher, als die Kostenstrukturen des Ganztags zu überprüfen. Dabei kauft die Schulbehörde viele Leistungen pauschal ein, und Vergleiche zeigen deutliche Kostenunterschiede. Entgelte, Verträge und pauschal eingekaufte Leistungen gehören deshalb auf den Prüfstand, bevor Hand an die pädagogische Qualität gelegt wird.
Schulbegleitung: Hilfe muss beim Kind ankommen
Auch bei der Schulbegleitung muss gelten: Entscheidend ist, ob ein Kind die Unterstützung bekommt, die es tatsächlich braucht. Gerade bei Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf darf Hilfe nicht schlechter werden, nur weil eine andere Organisation einfacher oder günstiger erscheint. Maßstab muss der individuelle Unterstützungsbedarf des Kindes bleiben.
Die falsche Reihenfolge
Drei Themen – aber immer dieselbe Frage: Kommt das Geld dort an, wo Bildung stattfindet? Genau dafür stehen unsere Haushaltsanträge.
Der Senat macht es sich zu leicht, wenn zuerst dort gekürzt wird, wo Einsparungen schnell sichtbar werden. Verantwortungsvolle Haushaltspolitik muss auch die komplizierteren Strukturen, Verträge und Kostenmodelle in den Blick nehmen.
Nicht zuerst am Unterricht sparen. Nicht zuerst am Ganztag. Nicht zuerst an der Unterstützung von Kindern.
Wer heute an Bildungsqualität spart, zahlt morgen einen deutlich höheren Preis.