Auch aktuelle Ereignisse an Altonaer Schulen und die jüngsten Schülerproteste zeigen, wie wichtig es ist, Demokratie von klein auf zu lernen und zu leben. Darum war es mir eine Freude, der Einladung der Hamburger Schulen in freier Trägerschaft zu folgen und bei der Aktion „Eine Stunde für Demokratie“ mitzumachen.
Denn wer eine lebendige Demokratie erhalten will, muss bei den Jüngsten anfangen. Kinder werden nicht allein dadurch zu Demokraten, dass sie irgendwann das Wahlrecht erhalten. Sie müssen früh lernen, wie Demokratie funktioniert, welche Werte sie trägt und welche Verantwortung jeder Einzelne für das Zusammenleben hat.
Das beginnt im Schulalltag: im Klassenrat, bei der Wahl von Klassensprechern oder wenn Kinder gemeinsam über ihren Schulalltag entscheiden. Sie lernen, ihre Meinung zu vertreten, anderen zuzuhören, Kompromisse zu finden und Entscheidungen zu akzeptieren. Vor allem lernen sie: Demokratie ist nicht einfach die Herrschaft der Mehrheit. Sie schützt auch diejenigen, die nicht zur Mehrheit gehören. Wer eine Abstimmung verliert, verliert nicht seine Rechte. Und wer anderer Meinung ist, bleibt Teil der Gemeinschaft.
„Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.“ Dieser Satz erinnert daran, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Sie wird auch dann geschwächt, wenn die Bereitschaft verloren geht, andere Meinungen auszuhalten und Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Wir sprechen viel über individuelle Rechte und Ansprüche, aber oft zu wenig darüber, was jeder Einzelne zum Gelingen unserer Gesellschaft beitragen muss. Eine Demokratie, in der jeder nur seine Interessen durchsetzen will, verliert ihre Fähigkeit zum Ausgleich. Freiheit in Verantwortung – das ist ein Kerngedanke christdemokratischer Politik. Sich einordnen, nicht sich unterordnen: Das ist keine Einschränkung der Freiheit, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Freiheit für alle möglich bleibt.
Wie aktuell diese Fragen gerade auch bei jungen Menschen sind, zeigen Ereignisse direkt hier bei uns in Altona. Am Gymnasium Othmarschen wurden kurz nach der Aufnahme in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ Hakenkreuze und antisemitische Parolen an die Schulgebäude geschmiert. Die Tat zeigt eine erschreckende Rücksichtslosigkeit gegenüber den Betroffenen und unserem Zusammenleben. Am Goethe-Gymnasium in Lurup kritisierte die AfD, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht eine Demonstration beobachten und anschließend darüber diskutieren sollten. Dabei ist eine solche Beobachtung nicht mit politischer Parteinahme gleichzusetzen. Demokratiebildung muss parteipolitisch neutral sein, darf aber nicht aus Angst vor Kontroversen verstummen.
Die jüngsten Schülerproteste in Hamburg zeigen, dass junge Menschen sich politisch einmischen wollen. Das ist ein gutes Zeichen. Entscheidend ist, dass sie sich ein eigenes Urteil bilden und mögliche Versuche politischer Instrumentalisierung erkennen. Wer dauerhaft etwas verändern möchte, findet in demokratischen Parteien einen besonders unmittelbaren Weg, politische Entscheidungen mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen.
Aber auch außerhalb der Parteien gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Eine davon bietet der Verein youmocracy. Er sucht junge Demokratiebotschafterinnen und Demokratiebotschafter, die Diskussionen organisieren, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenbringen und eine demokratische Streitkultur fördern. Bewerbungen für das Stipendium sind noch bis zum 8. November möglich: https://youmocracy.de/stipendium/
Demokratie braucht Demokraten. Menschen, die ihre Freiheit nutzen, Minderheiten respektieren, Widerspruch aushalten und Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. Protest ist ein demokratisches Recht. Aber Protest allein reicht nicht aus. Demokratie braucht Menschen, die Kompromisse ermöglichen und an Lösungen mitarbeiten. Freiheit in Verantwortung – darauf kommt es an.