Betteln ist in Hamburgs U- und S-Bahnen sowie an den zugehörigen Stationen verboten – eigentlich. Denn wer öfter mit U- oder S-Bahn fährt, weiß: Bettler sind an der Tagesordnung, steigen auf manchen Linien nahezu in jeden Zug ein. Die Not der Menschen ist unbestritten. Dennoch möchten Fahrgäste nicht belästigt werden. Ich habe gemeinsam mit meinem Bürgerschaftskollegen Andreas Grutzeck mittels einer Schriftlichen Kleinen Anfrage nachgefragt, wie die aktuelle Situation wirklich aussieht. Und die Zahlen des Senats zeigen: Die Zahl der Menschen, die in Hamburgs U- und S-Bahnen beim verbotenen Betteln erwischt wurden, ist angestiegen. Ebenso wie die Zahl der Fahrgäste, die sich hierdurch belästigt fühlen und beschweren.
3628-mal wurden Bettler in U- und S-Bahnen oder den Stationen im Jahr 2025 mit Bußgeldern à 40 Euro belangt, 2024 waren es noch 3187 Mal. Interessant ist, dass die Zahl der verhängten Bußgelder bei der U-Bahn nahezu stabil blieb (1.926 bzw. 1.924), bei der S-Bahn jedoch deutlich von 1.261 auf 1.704 anstieg.
Rein rechnerisch summierten sich die Bußgelder 2025 auf rund 145.000 Euro. Tatsächlich eingefordert wurden lediglich 2.140 Euro. Aus humanitären Gründen werden Mahn- oder Vollstreckungsverfahren in aller Regel nicht weiterverfolgt, da es sich überwiegend um mittellose Personen handelt.
Die Zahl der Kontrolleure und Einsatzstunden sei gestiegen – darauf verweist der Senat regelmäßig. Jedoch: im Verhältnis zum stark gewachsenen Fahrgastaufkommen ist die Kontrolldichte tatsächlich gesunken. Denn die Nachfrage im hvv ist deutlich gestiegen: von 914 Mio. Fahrgästen im Jahr 2022 auf 1,1 Milliarden im Jahr 2024. Mehr Fahrgäste bedeuten mehr Konfliktpotenzial – deshalb müssten die Einsatzzeiten eigentlich proportional mitwachsen, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Hinzu kommt: Einsatzstunden von Sicherheits- und Kontrollkräften werden nur bei der S-Bahn erhoben. Für zentrale Teile des Verbunds (u. a. Hochbahn) muss der Senat einräumen, dass solche Zahlen nicht erfasst werden. Was folglich fehlt, ist eine belastbare, verbundweite Gesamtschau über Sicherheits- und Kontrollstunden.
Auffällig ist auch: die Zahl der Fahrgastbeschwerden ist gestiegen. Für die U-Bahn wurden 2025 insgesamt 389 Beschwerden wegen Belästigung (hierunter fällt Betteln) erfasst, 2024 waren es noch 349. Besonders häufig genannt wurden Stationen im Innenstadtbereich, darunter Hauptbahnhof (Süd) und Jungfernstieg. Bei der S-Bahn wurden 2024 insgesamt 355 Beschwerden registriert, für 2025 lagen allein bis Ende September bereits 317 Meldungen vor. Eine Erfassung nach Stationen erfolgt bei der S-Bahn nicht.
Für mich ist die Situation nicht zufriedenstellend:
„Die Ergebnisse der Anfrage zeigen ein deutliches Missverhältnis zwischen Problemlage und politischem Handeln. Während die Zahl obdachloser Menschen in Hamburg massiv steigt und sich die Beschwerden über Belästigungen in U- und S-Bahnen häufen, verfügt der rot-grüne Senat weder über eine belastbare Datengrundlage noch über eine erkennbare Strategie zur Eindämmung der Verelendung im öffentlichen Raum.“
Entscheidend ist für die CDU, dass Hamburg Sicherheit und soziale Verantwortung gemeinsam denkt. Es braucht eine systematische und verbundweite Datenerhebung und im Anschluss gezielte Präsenz dort, wo Fahrgäste sie brauchen: an besonders betroffenen Knotenpunkten im Netz und zu sensiblen Zeiten. Die Sicherheits- und Kontrollleistungen müssen an der realen Nachfrage ausgerichtet werden. Und: sie müssen steuerbar sein, damit auf veränderte Situationen gezielt reagiert werden kann.
Mir ist es auch wichtig, dass bettelnde Menschen zugleich wirksam in Hilfsangebote vermittelt werden:
„Wir dürfen Menschen in akuter Not nicht einfach verdrängen. Deshalb sollten vermehrt Sozialarbeiter die Kontrolleure begleiten, damit bettelnde Personen direkt und niedrigschwellig an Hilfsorganisationen weitervermittelt werden können. Dazu braucht es auch eine bessere Koordination in den Bezirken, damit Betroffene schneller aus dem öffentlichen Raum in passende Unterstützungsangebote gelangen.“