Zwangs- und Verschleppungsheirat sind schwere Menschenrechtsverletzungen – und sie sind auch in Hamburg ein Thema. Dahinter steht häufig ein falsches Frauenbild, das Mädchen und junge Frauen entmündigt und Selbstbestimmung missachtet. Ich setze hier einen klaren Schwerpunkt: Mit einer Initiative in der Hamburgischen Bürgerschaft will ich die Präventionsarbeit gegen Zwangs- und Verschleppungsheirat dauerhaft an Schulen verankern. Frühe Aufklärung und das Wissen über das tatsächliche Ausmaß sind entscheidend, um die Mädchen und jungen Frauen effektiv vor Zwangs- und Verschleppungsheirat zu bewahren.
Damit Prävention nicht vom Zufall abhängt, habe ich als frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft eine Initiative gestartet: Mit einem Antrag soll die Präventionsarbeit gegen Zwangs- und Verschleppungsheirat regelhaft und strukturell an Schulen verankert werden.
Gerade vor und nach den Ferien ist das Thema besonders relevant: Wenn Jugendliche unter familiären Druck geraten, können längere „Auslandsreisen“ zum Risiko werden – bis hin zur erzwungenen Eheschließung. Prävention muss deshalb früh ansetzen, gut erreichbar sein und dort stattfinden, wo junge Menschen verlässlich erreicht werden: im schulischen Alltag.
Was konkret gefordert wird
Der Antrag setzt auf drei klare Bausteine:
- Ein regelmäßiges schulisches Präventionsprogramm gegen Zwangs- und Verschleppungsheirat – orientiert am Vorbild der Berliner „Weißen Woche“.
- Regelmäßige Sensibilisierung von Lehrkräften und Fachpersonal an Schulen und in Jugendeinrichtungen, inklusive klarer Handlungswege und Informationen zu Rechten und Hilfestrukturen.
- Eine wissenschaftliche Dunkelfeldstudie für Hamburg, damit das tatsächliche Ausmaß und Risikolagen verlässlich bekannt werden – nicht nur das, was im Hellfeld landet.
Warum das nötig ist: Zahlen sind nur die Spitze
Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet nur einen Teil der Realität ab. Für Hamburg werden für 2021 bis 2024 insgesamt 13 Fälle nach § 237 StGB ausgewiesen; zugleich wird in Fachkreisen seit Jahren auf eine erhebliche Dunkelziffer hingewiesen. Genau deshalb braucht es bessere Daten – und vor allem eine Prävention, die greift, bevor Betroffene überhaupt in eine Lage kommen, in der sie Hilfe suchen müssen.
Beratung reicht allein nicht – Prävention muss früher greifen
Natürlich gibt es in Hamburg Ansprechstellen und Projekte. Entscheidend ist aber: Beratung erreicht Betroffene häufig erst dann, wenn sie überhaupt die Möglichkeit haben, sich selbst Hilfe zu holen. In Druck- und Abhängigkeitssituationen ist genau das oft nicht realistisch. Darum ist es politisch notwendig, Prävention vor die Klammer zu ziehen: mit wiederkehrenden Formaten an Schulen, geschulten Ansprechpersonen und klaren Abläufen.
Parlamentarischer Stand
Der Antrag ist zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Soziales und Integration überwiesen worden. Damit ist das Thema parlamentarisch gesetzt – ich als frauenpolitische Sprecherin und die CDU-Fraktion bleiben dran, damit aus dem Anspruch „Schutz und Selbstbestimmung“ konkrete, verlässliche Präventionspraxis wird.