Fast ein Viertel weniger für den Ganztag: Die Sorge der Eltern an der Fridtjof-Nansen-Schule ist nachvollziehbar

Der Elternrat der Fridtjof-Nansen-Schule blickt mit Sorge auf die geplante Umstellung der Ganztagsschulen. Diese Sorge kann ich gut verstehen. Denn die Antwort des Senats auf meine Schriftliche Kleine Anfrage zeigt: Nach vollständiger Umsetzung sinkt der finanzielle Wert der der Schule zugewiesenen Ganztagsressourcen bei gleicher Schülerzahl um rund 410.000 Euro pro Jahr – von gut 1,76 auf rund 1,36 Millionen Euro. Das entspricht einem Minus von rund 23 Prozent.

Nach dem Haushaltsplan-Entwurf 2027/2028 sollen die Personalressourcen für den außerunterrichtlichen Ganztag künftig vollständig in Form von Erzieherstellen zugewiesen werden. Die bisherigen Lehrkraftressourcen und Honorarmittel entfallen als eigenständige GTS-Zuweisung.

Für die Fridtjof-Nansen-Schule bedeutet das: Heute werden knapp sechs Lehrkräftestellen, zusätzliche Lehrkraftanteile in der Vorschule, 10,75 Erzieherstellen und rund 9.500 Honorarstunden zugewiesen. Nach vollständiger Umstellung stehen dem 19,61 Erzieherstellen gegenüber.

Hinzu kommt: Die Fridtjof-Nansen-Schule hat Sozialindex 2 und liegt damit in sozial benachteiligter Lage. Gerade hier braucht es einen starken und verlässlichen Ganztag.

Der Senat argumentiert, die „Zeit am Kind“ bleibe gleich. Rechnerisch ist das möglich, weil Erzieherstellen geringere Personalkosten verursachen als Lehrkraftstellen. Erzieherinnen und Erzieher leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Ganztag. Zugleich lebt ein guter Ganztag von unterschiedlichen Professionen und ihren jeweiligen Kompetenzen.

Lehrkräfte können auch künftig am Nachmittag eingesetzt werden. Über die GTS-Zuweisung werden dafür jedoch keine eigenen Lehrkraftressourcen mehr bereitgestellt. Erzieherstellen können in Honorarmittel umgewandelt werden; eine Umwandlung in Lehrkraftstellen ist bislang nicht möglich und wird lediglich geprüft.

Genau deshalb verstehe ich die Sorge des Elternrats: Eine Schule soll künftig mit Ressourcen im Wert von rund 410.000 Euro weniger auskommen – aber eine nachvollziehbare schulbezogene Folgenabschätzung, was diese Veränderung für die Qualität des Ganztags an der Fridtjof-Nansen-Schule bedeutet, legt der Senat nicht vor.

Auch die Schule selbst wurde vor der Grundsatzentscheidung nicht einbezogen. Der Senat beschloss den Haushaltsentwurf am 24. Juni. Die Grundschulen wurden anschließend am 26. Juni in einer Dienstbesprechung und am 30. Juni schriftlich informiert. Erst im September konnten sie Hinweise und Bedenken in einem Workshop einbringen.

Erst entscheiden, dann informieren – das ist zu wenig, wenn es um eine so grundlegende Veränderung des Ganztags geht.

Die Fridtjof-Nansen-Schule ist dabei kein Einzelfall. 85 staatliche Schulen mit Grundschulbereich arbeiten in Hamburg nach dem GTS-Rahmenkonzept.

Mein Appell an den Senat ist deshalb klar: Bevor die Bürgerschaft endgültig über den Haushalt entscheidet, muss für die betroffenen Schulen transparent sein, wie sich die Umstellung konkret auf Ressourcen, Personalstruktur und Qualität auswirkt. Und die Schulen und ihre Eltern müssen mit ihren Erfahrungen und Bedenken ernsthaft einbezogen werden.

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